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Diabetes mellitus Typ 2

 

Quizfrage:

Ein medikamentös sehr gut eingestellter Typ-2-Diabetiker hat nach den Resultaten der ACCORD-Studie im Vergleich zu einem nur recht mäßig eingestellten Diabetiker ein

a) 25% niedrigeres    
b) 10% niedrigeres    
c) gleich hohes          
d) 10% höheres         
e) 25% höheres         

relatives Risiko zu sterben.

Die ACCORD-Studie – das Ende eines Dogmas

Am 14.11. war der Welt-Diabetes-Tag. Dies möchte ich heute zum Anlass nehmen, einige aktuelle Entwicklungen genauer zu betrachten.

Etwa jeder achte 20-79-jährige Deutsche ist an Diabetes mellitus erkrankt. Bis 2030 wird mit einem Anstieg auf 13,5% gerechnet. Erstaunlicherweise gibt es erhebliche regionale Unterschiede, wobei Deutschland im europäischen Bereich leider einen Spitzenplatz belegt: 

Deutschland               12,0 %

Frankreich                    9,4 %

Russland                      9,0 %

Italien                            8,8 %

Spanien                        8,4 %

Großbritannien             4,9 %

Diese alarmierenden Zahlen veröffentlichte die „International Diabetes Federation“ (IDF) in ihrem aktuellen Atlas (zitiert nach Deutsches Ärzteblatt, 107, 36, B 1492).  

Diabetes Mellitus Typ 2 - Wie gut muss die Blutzuckereinstellung sein?

Bisherige Lehrmeinung war es, den Diabetiker so gut und so streng wie möglich medikamentös einzustellen. Je niedriger der HbA1c-Wert im Blut als Ausdruck der Langzeitblutzuckereinstellung, desto weniger Folgeerkrankungen sollten eintreten und desto höher müsste die Lebenserwartung sein. Um diese Annahmen auch wissenschaftlich zu untermauern, wurde die ACCORD-Studie durchgeführt, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

Die ACCORD-Studie (Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes) wurde an über 10.000 Diabetikern in zwei Gruppen durchgeführt. Die Patienten der einen Gruppe sollten eine möglichst gute Blutzuckereinstellung erreichen, wobei ein HbA1c von unter 6% angestrebt (aber nicht immer erzielt) wurde. In der anderen Gruppe war man mit einer moderaten Einstellung (HbA1c zwischen 7 und 7,9%) zufrieden, die eigentlich nicht leitlinienkonform ist. Die Industrie hatte sich erhofft, dass die gut und mit Medikamenten großzügig eingestellten Diabetiker profitieren, was eine Legitimation für vermehrte Arzneiverordnungen durch die Ärzte bedeutet hätte.

Von den moderat eingestellten Diabetikern starben im Untersuchungszeitraum 4%, bei den gut eingestellten Diabetikern waren es hingegen 5%! In beiden Gruppen starben die Patienten vermehrt, wenn sie eine sehr gute Blutzuckereinstellung aufwiesen. Das niedrigste Risiko eines Todes fand sich in beiden Gruppen (nicht jeder war in der einen Gruppe gut und in der anderen Gruppe mäßig eingestellt) bei einem HbA1c von 7,5% - also einem Wert, der nach den bisher geltenden Leitlinien sofort eine Intensivierung der Therapie (meist mit mehr Medikamenten) zur Folge gehabt hätte.  

 Insulin – senkt den Blutzucker, aber kann die Sterblichkeit erhöhen

Diabetes Mellitus Typ 2 - Medizinische Leitlinien sind auch nur Menschen 

Und Menschen können irren. Leitlinien werden durch einen Konsensus von Experten in einem bestimmten Gebiet entworfen. Wo immer möglich, fußen diese Leitlinien dabei auf wissenschaftlichen Studien, sind also evidenzbasiert. Nicht immer sind aber Studien zu einer bestimmten Fragestellung durchgeführt wurden. Dann werden die Leitlinien nach Plausibilität („ein niedriger HbA1c muss doch günstig sein“) verfasst, sind also „eminenzbasiert“.

Die bisher verbreiteten Empfehlungen zur Blutzuckereinstellung müssen nach den ernüchternden Ergebnissen der ACCORD-Studie revidiert, ja sogar revolutioniert werden, da ihre exakte Befolgung für den Tod mehrerer tausend Diabetiker pro Jahr verantwortlich zu machen ist.  

Diabetes Mellitus Typ 2 - Folgerungen 

*      Diabetiker müssen noch mehr als bisher auf Hypoglykämien (Unterzuckerungen) achten und diese nach Möglichkeit vermeiden – unter Umständen auch auf Kosten einer etwas schlechteren Blutzuckereinstellung.

*      Das alles gilt natürlich nur für medikamentös eingestellte Diabetiker. Nur Insulin (hier war das Sterblichkeitsrisiko in der Studie besonders hoch) und Medikamente, welche die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse anregen, können zu Unterzuckerungen führen. Ziel einer optimalen Diabeteseinstellung sollte also sein, wenn irgend möglich ohne diese Medikamente auszukommen.

*      Nicht medikamentös eingestellte Diabetiker sollten nach wie vor einen möglichst niedrigen HbA1c-Wert anstreben, da bei ihnen keine Gefahr der Hypoglykämie besteht.

*      Um dieses Ziel zu erreichen, sollte unbedingt eine Optimierung des Körpergewichts angestrebt werden. In der ACCORD-Studie hatten unter den Medikamenten mehr als ein Viertel der Patienten mehr als zehn Kilogramm zugenommen, was der Diabetiker überhaupt nicht gebrauchen kann. 

 Gewichtsreduktion – wichtiger als Medikamente

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Rosiglitazon wegen tödlicher Nebenwirkungen vom Markt

Vor einigen Jahren wurde eine neue Substanzklasse für die Behandlung des Diabetes mellitus zugelassen – die Glitazone. Diese Glitazone wurden auch als so genannte Insulinsensitizer bezeichnet. Die Hauptursache des Diabetes ist ja die Insulinresistenz. Medikamente wie Insulin, Glibenclamid oder Glinide senken zwar den Blutzucker, verstärken aber noch diese Insulinresistenz. Diese zu mindern, war ein neues revolutionäres und erfolgversprechendes Behandlungsprinzip.

Kurze Zeit nach der Zulassung häuften sich aber Meldungen über Nebenwirkungen. Es wurden Fälle von Herzschwäche beobachtet, teilweise auch mit tödlichem Ausgang. Vor wenigen Monaten wurde daher ein Stufenplanverfahren für Rosiglitazon (Avandia®) eingeleitet. Nun kam das endgültige Aus. Rosiglitazon verbessert zwar den Blutzucker, die Diabetiker sterben aber so häufig an Herzkrankheiten als Nebenwirkung des Medikaments, dass die Behörden die Zulassung aus Sicherheitsgründen widerrufen haben.

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Was lernen wir daraus? Noch einmal – und ich kann es nicht häufig genug sagen: Der Diabetes Mellitus Typ 2 sollte – wenn irgend möglich – ohne Medikamente eingestellt werden. Wenn es gar nicht anders geht, sollte man tunlichst keine Medikamente nehmen, welche die Insulinresistenz verstärken. Und ich persönlich wäre auch vorsichtig bei Präparaten, die weniger als 5 Jahre auf dem Markt sind. Viele der neuen Medikamente verschwinden innerhalb der ersten fünf Jahre wegen schwerer Nebenwirkungen, die in den Studien an relativ wenig Patienten noch nicht bemerkt wurden.

Wie Diabetes Mellitus Typ 2 ganzheitlich und ohne (oder mit möglichst wenigen) Medikamente erfolgreich behandelt werden kann, erfahren Sie in meinem Buch, welches im Oktober 2010 in überarbeiteter und aktualisierter Neuauflage zum Preis von 14, 95 € erschienen ist: 

Typ-2-Diabetes. Heilung ist doch möglich: Wann Medikamente nutzen, wann sie schaden. - Wie sie ihren Blutzucker selbst wirksam senken können [Broschiert]

Zu erhalten in Ihrer Buchhaltung oder bei amazon: http://www.amazon.de/Typ-2-Diabetes-Heilung-ist-doch-m%C3%B6glich/dp/3830439237/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1290507900&sr=1-1

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Auflösung der Quizfrage:  

Nach dem Lesen des Beitrages kennen Sie natürlich die erstaunliche Antwort, nämlich e).
Der mäßig eingestellte Diabetiker hatte in der Studie ein Sterblichkeitsrisiko von 4%, der gut  eingestellte Diabetiker 5%, das macht dann ein 25% höheres relatives Risiko zu sterben, wenn der Blutzucker medikamentös gut eingestellt ist! Ich bin allerdings nicht sicher, ob Diabetologen diese Ergebnisse mit ihren Patienten gern diskutieren…     

Animationen animierte Augen

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