Diabetes mellitus Typ 2
Die ACCORD-Studie – das Ende eines Dogmas Am 14.11. war der Welt-Diabetes-Tag. Dies möchte ich heute zum Anlass nehmen, einige aktuelle Entwicklungen genauer zu betrachten. Etwa jeder achte 20-79-jährige Deutsche ist an Diabetes mellitus erkrankt. Bis 2030 wird mit einem Anstieg auf 13,5% gerechnet. Erstaunlicherweise gibt es erhebliche regionale Unterschiede, wobei Deutschland im europäischen Bereich leider einen Spitzenplatz belegt: Deutschland 12,0 % Frankreich 9,4 % Russland 9,0 % Italien 8,8 % Spanien 8,4 % Großbritannien 4,9 % Diese alarmierenden Zahlen veröffentlichte die „International Diabetes Federation“ (IDF) in ihrem aktuellen Atlas (zitiert nach Deutsches Ärzteblatt, 107, 36, B 1492). Diabetes Mellitus Typ 2 - Wie gut muss die Blutzuckereinstellung sein? Bisherige Lehrmeinung war es, den Diabetiker so gut und so streng wie möglich medikamentös einzustellen. Je niedriger der HbA1c-Wert im Blut als Ausdruck der Langzeitblutzuckereinstellung, desto weniger Folgeerkrankungen sollten eintreten und desto höher müsste die Lebenserwartung sein. Um diese Annahmen auch wissenschaftlich zu untermauern, wurde die ACCORD-Studie durchgeführt, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Die ACCORD-Studie (Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes) wurde an über 10.000 Diabetikern in zwei Gruppen durchgeführt. Die Patienten der einen Gruppe sollten eine möglichst gute Blutzuckereinstellung erreichen, wobei ein HbA1c von unter 6% angestrebt (aber nicht immer erzielt) wurde. In der anderen Gruppe war man mit einer moderaten Einstellung (HbA1c zwischen 7 und 7,9%) zufrieden, die eigentlich nicht leitlinienkonform ist. Die Industrie hatte sich erhofft, dass die gut und mit Medikamenten großzügig eingestellten Diabetiker profitieren, was eine Legitimation für vermehrte Arzneiverordnungen durch die Ärzte bedeutet hätte. Von den moderat eingestellten Diabetikern starben im Untersuchungszeitraum 4%, bei den gut eingestellten Diabetikern waren es hingegen 5%! In beiden Gruppen starben die Patienten vermehrt, wenn sie eine sehr gute Blutzuckereinstellung aufwiesen. Das niedrigste Risiko eines Todes fand sich in beiden Gruppen (nicht jeder war in der einen Gruppe gut und in der anderen Gruppe mäßig eingestellt) bei einem HbA1c von 7,5% - also einem Wert, der nach den bisher geltenden Leitlinien sofort eine Intensivierung der Therapie (meist mit mehr Medikamenten) zur Folge gehabt hätte.
Und Menschen können irren. Leitlinien werden durch einen Konsensus von Experten in einem bestimmten Gebiet entworfen. Wo immer möglich, fußen diese Leitlinien dabei auf wissenschaftlichen Studien, sind also evidenzbasiert. Nicht immer sind aber Studien zu einer bestimmten Fragestellung durchgeführt wurden. Dann werden die Leitlinien nach Plausibilität („ein niedriger HbA1c muss doch günstig sein“) verfasst, sind also „eminenzbasiert“. Die bisher verbreiteten Empfehlungen zur Blutzuckereinstellung müssen nach den ernüchternden Ergebnissen der ACCORD-Studie revidiert, ja sogar revolutioniert werden, da ihre exakte Befolgung für den Tod mehrerer tausend Diabetiker pro Jahr verantwortlich zu machen ist.
Was
lernen wir daraus? Noch einmal – und ich kann es nicht häufig genug
sagen: Der Diabetes Mellitus Typ 2 sollte – wenn irgend möglich – ohne
Medikamente eingestellt werden. Wenn es gar nicht anders geht, sollte
man tunlichst keine Medikamente nehmen, welche die
Wie
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