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Heilung: ©

Ist sie bei Diabetes überhaupt möglich?

 

Übersicht:

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir erst einmal schauen, was Heilung eigentlich ist. Nun, Heilung ist der Weg von Krankheit zu Gesundheit. Aber was ist Gesundheit? Die moderne Medizin hat unbestreitbar riesige Erfolge erzielt. Aber man muss ihr vorwerfen, dass sie den Wald manchmal vor lauter Bäumen kaum noch sieht. Ärzte können zwar mittlerweile recht genau benennen, welche Gene bei bestimmten Krankheiten Abweichungen von der Norm aufweisen, sie können aber immer noch nicht allgemeingültig definieren, was Gesundheit ist. „Wenn du mich nicht danach fragst, weiß ich genau, was sie ist. Muss ich sie aber erklären, so weiß ich es nicht.“ ist man geneigt zu klagen.  

Schauen wir doch einmal, wie andere die Gesundheit definiert haben: „Gesundheit ist der Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens.“ Diese Definition stammt von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Nach dieser Definition ist eigentlich niemand mehr gesund – mal abgesehen von einem 18jährigen, frisch Verliebten, der gerade im Lotto gewonnen hat. Eine andere interessante Definition lieferte Nietzsche: „Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen.“ Nach dieser Definition ist auch ein Diabetiker mit intensivierter Insulintherapie, der mehrmals täglich seinen Blutzucker misst und seine Therapie sehr individuell anpasst, noch gesund, solange er seine übrigen Alltagsgeschäfte einigermaßen erledigen kann. Beide Definitionen helfen uns also nicht recht weiter.

Nehmen wir eine Diabetikerin, die viele Jahre Insulin gespritzt hat. Wenn wir es schaffen, diese Patientin wieder von der Spritze auf Tabletten einzustellen, würden wir das Heilung nennen? Sicher nicht, denn sie ist nach wie vor Diabetikerin, auch wenn sie einen großen Schritt in die richtige Richtung getan hat. Was ist aber mit einem Diabetiker, der schon einmal Werte deutlich über 200 mg/dl aufwies, der auf Tabletten eingestellt wurde und der es geschafft hat, bei gutem HbA1c vollständig von den Tabletten wegzukommen. Wenn er gewisse Regeln einhält (z.B. keine Gewichtszunahme, regelmäßige Ausdauerbewegung), dann hat er Stoffwechselwerte wie ein Gesunder. Ist dieser Mann geheilt oder nicht?  

Kritiker könnten einwenden: Da er ja nur bei Einhaltung einer bestimmten Lebensweise gute Werte aufweist, sonst aber nicht, ist er weiterhin krank, da er ja die Anlage, schnell wieder zum Diabetiker zu werden, noch in sich trägt. Im Prinzip ist das richtig, aber nach dieser Definition wäre jeder Mensch ein Diabetiker. Jeder trägt die Anlage dazu in sich und bleibt nur bei Einhaltung einer bestimmten Lebensweise Nicht-Diabetiker. Ich kann jeden Menschen – mich selbst eingeschlossen – zum Diabetiker machen. Ich brauche nur 30 kg an Gewicht zulegen, mich kaum noch zu bewegen, ein paar Jahre abwarten – und schon bin ich Diabetiker. Jeder hat die Anlage dazu. Bei dem einen ist sie stärker ausgeprägt, dann braucht es etwas weniger, bei dem anderen ist sie schwächer ausgeprägt, dann braucht es ein paar Jahre länger.  

Fall Nr. 1: Rheuma und Diabetes: Eine ungute Kombination  

Frau G. ist 79 Jahre alt. Sie hat eine rheumatische Erkrankung, die mit Kortison eingestellt ist. Trotzdem hat sie weiter Schmerzen, die sie in ihrer Bewegung einschränken (schlecht für den Zucker!). Sie ist übergewichtig 87,4 kg bei 170 cm Größe und einem BMI von 30,4, also Adipositas. Die Großmutter hatte ebenfalls Diabetes gehabt (erbliche Veranlagung). Vor zwei Jahren entdeckten Ärzte den Diabetes und stellten ihn mit hohen Dosen Insulin ein. Unter Kortison und Insulin kam es zu einer Gewichtszunahme.  

Bei stationärer Aufnahme in unsere Klinik spritzte sie 28-28-22 Einheiten Actrapid® und abends zusätzlich 32 Einheiten Protaphan®, ein langwirksames Insulin. Insgesamt spritzte sie also über 100 Einheiten Insulin, was auch von diabetologischer Seite nicht mehr als sinnvoll anzusehen ist. Zusätzlich nahm sie noch 3mg Amaryl®, um die verbliebene Bauchspeicheldrüsenfunktion zu stimulieren. Bei Aufnahme hatte sie trotz dieser maximalen Medikation ein HbA1c von 8,4 % (normal bis 6,1 %), was auf eine schlechte Einstellung hindeutet. Der C-Peptid-Wert lag allerdings bei 1,7 nmol/l (normal bis 1,2 nmol/l), was viel zu hoch ist und für eine Insulinresistenz spricht (siehe auch Rationale Labordiagnostik).  

Sie hatte keine Hoffnung, jemals eine Verbesserung der Zuckerwerte oder eine Medikamentenreduktion erreichen zu können. Das Insulin mit den häufigen Heißhungerattacken, die Kortisontherapie und die Schmerz bedingte Bewegungsarmut sprachen einfach dagegen. Was mir Hoffnung machte, war das erhöhte C-Peptid. Die Bauchspeicheldrüse produzierte trotz des Alters und der massiven Insulingabe von außen immer noch weit mehr Insulin als ein Gesunder benötigt. Es lag also eine massive Insulinresistenz vor. Die galt es abzubauen. Aber wie? Gewichtsabnahme war fast unmöglich. Vermehrte Bewegung wegen der Schmerzen ebenso.  

Als letzten Ausweg schlug ich das Heilfasten vor. Davon war Frau G. jedoch überhaupt nicht begeistert. Es ging ihr schon so schlecht und nun sollte sie noch nicht einmal mehr etwas zu essen bekommen? Ich gestehe, dass ich ein wenig sanften Druck auf sie ausübte, es doch mit dem Heilfasten zu probieren, da ich wirklich keine vernünftige Alternative sah, in kurzer Zeit deutliche Erfolge zu erzielen. Das tue ich sonst nie, da das Heilfasten stets ein freiwilliger Akt sein sollte, zu dem der Patient nicht nur bereit sein sollte, sondern den er frei und aktiv selbst wünscht. Erst am Ende des vierwöchigen Aufenthaltes konnte sie sich immerhin auf ein fünftägiges Heilfasten einlassen. Das ist die kürzeste vernünftige Fastenzeit überhaupt (drei Tage benötigen wir allein für die Umstellung) und bei übergewichtigen Diabetikern eher zu kurz, aber immerhin besser als „Schnee in der Hose“.  

Die Resultate: Gewichtsabnahme von 87,4 auf 82,5 kg, BMI 30,2 auf 28,5, Blutdruck von 200/100 auf 150/85 mmgHg, das Kortison konnte von 8,75 auf 7,5 mg gesenkt werden, ohne dass die Schmerzen zunahmen, Amaryl® wurde durch Metformin 3x850 mg ersetzt, Insulin von 104 auf 0 (!!!) Einheiten, trotzdem sank der HbA1c von 8,4 % auf 7,5 % (die Kontrollmessung kam eigentlich zu früh, da der HbA1c einen längeren Messzeitraum als nur die letzten 4 Wochen abdeckt).  

Diese Resultate sind so gut, dass ich mich nicht trauen würde, sie auf einem Kongress vor Diabetologen vorzustellen. Ich würde vermutlich ausgebuht, weil man mir einfach nicht glauben würde, dass man nach mehrjähriger Einnahme von Insulin im hohen Alter dieses noch deutlich reduzieren oder gar ganz absetzen kann. Ich behaupte: Man kann es nicht nur, man muss es sogar, wenn die Eigenproduktion noch gut ist. Und wenn der Patient bereit ist, aktiv an seiner „Heilung“ mitzuwirken. Diese Patientin ist noch nicht geheilt, hat in vier Wochen aber unglaublich viel erreicht. An Medikamente nahm sie bei Entlassung unter anderem Metformin, Vitamin D, Vitamin E, eine Antioxidantienkombination, eine Kombination mit Mineralstoffen und Vitaminen zur besseren Blutzuckereinstellung (z.B. Zink, Chrom). Drei Monate später hat sie mir noch einmal geschrieben: Ihr Blutzucker ist weiter gut (Werte zwischen 90 und 130 mg/dl), die Rheumabeschwerden haben weiter nachgelassen (trotz nochmaliger Reduktion des Kortison auf 5 mg), außer Metformin nimmt sie keine Antidiabetika ein – und das Gewicht konnte sie sogar noch weiter auf 80 kg reduzieren!  

Achtung: Das Dogma „Einmal Insulin – immer Insulin“ ist falsch!  

Fall Nr. 2: Heilung ist doch möglich!  

Der 61jährige Herr L. hatte seinen Bruder durch plötzlichen Herztod verloren. Das hatte ihn aufgeschreckt. Bei seinem Hausarzt veranlasste Herr L. einen Check, der einen Nüchternblutzucker von 223 mg/dl und ein HbA1c von 12,8 % ergab. Der hohe Blutzucker war also kein Ausrutscher, sondern musste schon länger bestehen. Jeder HbA1c-Wert über 7,5 % ist schlecht, über 9 % ist katastrophal! Er wollte sich mit der Diagnose Diabetes jedoch nicht ohne weiteres abfinden und suchte daher naturheilkundliche Alternativen (siehe auch Rationale Labordiagnostik).  

Als er in meine naturheilkundliche Ambulanz kam, wog er 95,9 kg bei einer Körpergröße von immerhin 191 cm, was aber trotzdem einen BMI von 26,6 entsprach. Er hatte also Übergewicht. Nach einem Belastungs-EKG erhielt er ein Trainingsprogramm mit mindestens dreimal Ausdauertraining pro Woche, jeweils mindestens eine halbe Stunde lang bei einer Herzfrequenz von 110-120/min (seine individuelle Trainingsleistung). Er erhielt Ernährungshinweise und sollte langfristig einen BMI von deutlich unter 25 anstreben, um seine Insulinresistenz abzubauen. Dazu erhielt er unterstützend Zink und Chrom. Das Insulin stimulierende Amaryl® wurde durch Metformin ersetzt.  

Resultate: Nach einem halben Jahr hatte er sein Gewicht auf 84,7 kg reduziert, was einem BMI von 23,5 entspricht. Das Metformin hatten wir wegen guter Blutzuckerwerte bereits nach einem Monat wieder abgesetzt. Der HbA1c lag nach einem Jahr bei phantastischen 6,1 %. Das einzige „Medikament“, was er noch einnahm, war seine Zinktablette zur Verbesserung des Zuckerstoffwechsels.  

Herr L. erscheint seitdem in jedem Quartal zu einer Kontrolle. Inzwischen – zwei Jahre nach der Diagnosestellung – haben wir das Intervall auf halbjährliche Kontrollen ausgedehnt. Er hat inzwischen wieder ein bisschen zugenommen (87,1 kg), der HbA1c liegt aber nach wie vor bei sehr guten 6,2 %. Er schränkt sich mit seiner Kost kaum noch ein, isst gelegentlich sogar mal eine halbe Tafel Schokolade (!), ohne dass die Blutzuckerwerte dadurch schlechter werden. Natürlich würde ich ihn nicht gerade zur Schokolade animieren, aber solange er sich weiter ausdauernd bewegt und sein Gewicht unter einem BMI von 25 und sein HbA1c im Normbereich bleibt, macht er alles richtig. Herr L. sieht sich selbst als geheilt an. Da er ohne Medikamente, bei halbwegs vernünftiger Ernährung und Bewegungstherapie unter zusätzlicher Gabe nur von Zink (also eigentlich ein Minimalprogramm) diesen Zustand erreicht und gehalten hat, würde ich das nach meinem Verständnis auch Heilung nennen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er mit der konventionellen Medizin nicht abgenommen hätte. Er hätte weiter Insulin stimulierende Medikamente eingenommen und hätte einige Jahre später vermutlich auf eine Insulinspritze umsteigen müssen. Herr L. hat bewiesen, dass es auch anders geht, er hat bewiesen, dass Heilung von Diabetes möglich ist.

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Typ-2-Diabetes. Heilung ist möglich. 
Ø
    
Vererbung: Welche Rolle spielen die Gene?
Ø
     
Klassische Risikofaktoren: Gefahr für die Gefäße
Ø
    
Alternativen: Welche Möglichkeiten gibt es noch zur Blutzuckersenkung?
Ø
    
Ernährung: Wie sollte eine vernünftige Diabeteskost aussehen?
Ø
    
Gewichtsreduktion: 10 Goldene Regeln für erfolgreiches Abnehmen
Ø      Bewegung: Abnehmen im Schlaf
Ø      Die Zukunft: Wundermittel für den Diabetiker?

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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