Logo der Habichtswald-Klinik     HABICHTSWALDKLINIK
           Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde                  Abteilung Innere Medizin und Naturheilkundliche Ambulanz

                      34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe

                  Informationen zu Krankheiten
Weitere Medizinische Informationen und Links - speziell auch von
                                    
der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik -  klicken Sie hier

Rationale Diagnostik ©

bei Diabetes: 

Welche Untersuchungen braucht der Diabetiker?  

 

 Übersicht:

Rationale Diagnostik - Einleitung

Zunächst einmal zur Begriffsklärung: Wir reden hier von einer rationalen, also einer vernünftigen Diagnostik. Tatsächlich haben wir im deutschen Kassensystem eine rationelle Diagnostik, d.h. wirtschaftliche Aspekte diktieren weitgehend die Untersuchungen. Und man braucht kein großer Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass wir auf eine rationierte Diagnostik zusteuern. Kleine Unterschiede in Namen, die jedoch schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen.  

Das Sozialgesetzbuch V schreibt heute den Ärzten zwingend vor, wie sie zu diagnostizieren und zu therapieren haben. Es soll danach alles erstattet werden, was

  • notwendig

  • ausreichend

  • und wirtschaftlich ist.

Das bedeutet, dass nur noch das zwingend Notwendige, nicht aber das Sinnvolle gemacht werden soll. Diagnostik und Therapie sollen gerade einmal ausreichend sein. In der Schule war es doch ausreichend, wenn man gerade mal an der Fünf vorbeigeschrammt war. Nach dem Sozialgesetzbuch V steht Ihnen als Patient eine befriedigende oder gar eine gute Diagnostik und Therapie überhaupt nicht zu! Und das Ganze soll auch noch wirtschaftlich sein, will heißen: Es darf nicht allzu viel kosten. In dieser Situation befinden wir uns heute im Kassensystem – und es wird wohl nicht besser werden.  

Die Privatpatienten sind aber auch nicht nur zu beneiden. Bei Ihnen kann zwar in der Regel noch alles gemacht (und vor allem auch abgerechnet!) werden, was irgendwie einigermaßen sinnvoll erscheint. Dies bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass sie auch wirklich nur das Sinnvolle bekommen. Das, was wir beim Kassenpatienten oft an Unterdiagnostik erleben, muss der Privatpatient öfter als Überdiagnostik erleiden. Man darf es ja eigentlich nicht laut sagen, aber die Indikation beispielsweise für einen Herzkatheter wird beim Privatpatienten schon mal etwas großzügiger gestellt. Bei anderen diagnostischen Verfahren, die gute Abrechnungsziffern haben, sieht es nicht viel anders aus. Als Kassenpatient müssen Sie sich also manchmal auf die Hinterbeine stellen, um auch nur das Notwendige (vom Sinnvollen reden wir schon gar nicht mehr) zu erhalten. Als Privatpatient müssen Sie sich überlegen, ob jede vorgeschlagene Diagnostik überhaupt sinnvoll oder vielleicht sogar schädlich für Sie ist (siehe auch Gesundheitsreform).  

Wenn der Kassenpatient beim Arzt „IGeL“, er also „individuelle Gesundheitsleistungen“ wählt, dann darf er diese selbst bezahlen, wird dafür dann aber auch wie ein Privatpatient behandelt. Das bedeutet, er bekommt medizinische Leistungen, die nach Kassenmeinung nicht notwendig, aber medizinisch sinnvoll sind. Er bekommt dann aber mitunter auch Leistungen, die vielleicht noch nicht einmal sinnvoll sind. Legen Sie also bei allen vorgeschlagenen Privatleistungen einen gesunden Skeptizismus an den Tag, lassen Sie sich besonders gut über Nutzen und Risiken aufklären und fordern Sie eine rationale Diagnostik und Therapie ein, wie in diesem Artikel vorgeschlagen. Sie haben das Recht dazu!  

Mit diesem Vorwort zur Labordiagnostik möchte ich Sie keinesfalls verunsichern, sondern vielmehr sensibilisieren. Übernehmen Sie Mitverantwortung für Ihre Erkrankung, die richtige Diagnostik und die daraus folgende Therapiesteuerung! Der Arzt kann heute nicht mehr die optimale Medizin betreiben, die er an der Uni und in den Lehrbüchern gelernt hat (wenn das überhaupt die optimale Medizin ist, die Naturheilkunde wird ja immer noch weitgehend ignoriert). Er muss vielmehr die minimale Medizin ausführen, die ihm die Gesetze und Kassen vorgeben. Wir wollen die Ärzte hier gar nicht verdammen. Die meisten Ärzte versuchen, einen tragfähigen Kompromiss zwischen der von ihnen für optimal gehaltenen Medizin und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten zu finden und dabei noch das Bestmögliche für ihre Patienten zu erreichen. Aber keiner wird von seinem Arzt verlangen können, dass er eigentlich wichtige Untersuchungen bei seinen Patienten durchführt, für die er von der Kasse in Regress genommen wird und die er dann selbst bezahlen muss, weil er angeblich unwirtschaftlich arbeitet, da er die bestimmte Leistung dreimal Mal mehr als der Durchschnitt seiner Kollegen abgerechnet hat. Fordern Sie also die Leistung, die Sie bei sich für richtig halten, seien Sie aber auch bereit, diese notfalls selbst zu bezahlen.  

Nun aber endlich zu den einzelnen diagnostischen Maßnahmen:  

Rationale Diagnostik - Blutzucker: Das Maß aller Dinge  

Na klar! Bei der Zuckerkrankheit wollen wir natürlich etwas über den Zuckergehalt im Blut erfahren. Je höher der Blutzucker, desto schlechter die Blutzuckereinstellung. Wir dürfen aber nicht den Fehler machen und wie das Kaninchen auf die Schlange nur auf den Blutzucker achten. Der erhöhte Blutzucker ist nur das Symptom, aber nicht die Krankheit selbst (Insulinresistenz). Trotzdem wollen wir natürlich den Blutzucker in gewissen Grenzen halten. Er gibt uns an, wie erfolgreich wir mit unseren diätetischen und sonstigen Bemühungen gewesen sind. Der Blutzucker ist aber nur eine Momentaufnahme. Er spiegelt lediglich die Situation der letzten Stunden, ja vielleicht sogar nur das Ergebnis der letzten Minuten wider (wenn sie beispielsweise gerade eine Tafel Schokolade gegessen haben).  

Wir unterscheiden den Nüchternwert vom so genannten postprandialen Wert, also dem Zuckergehalt im Blut nach einer normalen Mahlzeit. Daneben gibt es dann noch den Wert nach einem oralen Glukosetoleranztest (OGT). Dabei müssen Sie eine größere Menge Traubenzucker (75 g) in Wasser trinken. Es wird dann gemessen, wie Ihr Stoffwechsel mit dieser extremen Zuckerbelastung fertig wird.  

Eine genauere Messung als ein alleiniger nüchterner oder postprandialer Wert ist das so genannte Blutzuckertagesprofil. Dabei werden ein Nüchternwert und mehrere Blutzuckerspiegel nach den Hauptmahlzeiten gemessen. Er gibt die Blutzuckereinstellung unter Berücksichtigung der Lebensweise eben und auch nur an diesem Tag an. Gewiefte Diabetiker leben an den Tagen vor sowie an dem Tag des Profils sehr „vernünftig“ und können ihrem Arzt dann zeigen, wie gut sie sich an die Anweisungen halten. Danach kann man ja wieder Sahnetorten reinstopfen. Ich verrate Ihnen hier keinen besonderen Trick, jeder Diabetiker kennt ihn ohnehin. Der Diabetiker, der diesen Trick anwendet, betrügt allerdings nicht seinen Arzt, er betrügt sich selbst. Denn er weiß ja nicht, welche Werte er unter seiner „normalen“ Lebensweise aufweist – und welche Risiken er möglicherweise damit eingeht (Späkomplikationen).  

Die Zahlen geben ungefähre Werte an. Sie können – je nach Art der Blutabnahme (Vene oder Kapillare), Messgerät oder Labor – etwas differieren. Ihrem Laborzettel oder der Geräteanweisung können Sie aber die jeweils gültigen Werte entnehmen.  

Wenn der Diabetes schlecht eingestellt ist, werden Sie häufig Werte über dem Normbereich finden. Die Gefahr von Spätschäden erhöht sich, je länger die hohen Blutzuckerwerte bestehen (es geht hier aber nicht um Tage oder Wochen, sondern um Monate und Jahre) und je höher die Werte sind. Die Therapie sollte dann überdacht werden – das Essen, die Bewegung, ggf. auch verordnete Medikamente sollten dann angepasst werden.  

Es kann aber auch sein, dass Sie häufiger zu niedrige Werte messen. Es besteht dann die Gefahr einer Unterzuckerung. Vielleicht haben Sie auch schon Symptome einer solchen Hypoglykämie bemerkt. Dann sind Sie medikamentös zu streng eingestellt. Die Zuckertabletten oder die Insulindosis sollten dann in kleinen Schritten in Rücksprache mit Ihrem Arzt reduziert werden.  

Auch wenn Sie Werte messen, die stark schwanken – mal sehr hoch, mal wieder nahe an der Hypoglykämie -, sollte das Therapiekonzept überdacht werden. Essen Sie sehr unregelmäßig, mitunter auch mal große, dann aber wieder sehr kleine Portionen, oder lassen Sie gar Mahlzeiten ausfallen? Treiben Sie mal viel Sport, mal gar nicht? Und passen Sie dann die Medikamente der Zufuhr von Zucker oder dem Verbrauch von Kalorien durch Bewegung auch richtig an? Diese Fragen gilt es dann zu beantworten und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.

Der Blutzucker ist natürlich der wichtigste Laborwert bei Diabetikern. Seine Bedeutung wird aber manchmal überschätzt. Und er muss richtig interpretiert werden.  

Rationale Diagnostik - Tabelle: Blutzuckerwerte

Normalwerte:

Angaben in mg/dl  Normal Normal schlecht
Nüchternwert 60-100  bis 120     über 120
Nach dem Essen  bis 120 120-180 über 180
Nach Glukosebelastung bis 140  140-200   über 200

Umrechnungsfaktor von mg/dl in mmol/l 0,056 (Beispiel: 100 mg/dl = 5,6 mmol/l)
Umrechnungsfaktor von mmol/l in mg/dl 17,9   (Beispiel: 10 mmol/l = 179 mg/dl)  

Messhäufigkeit: Sehr unterschiedlich, bei intensivierter Insulineinstellung mehrfach täglich, bei einem diätetisch gut eingestellten Diabetes unter Umständen einmal alle drei Monate ein Tagesprofil. Der Glukosetoleranztest wird einmalig durchgeführt. Er ist die einzige einfache Möglichkeit, um eine pathologische Glukosetoleranz aufzudecken. Wenn Nüchternblutzucker oder postprandialer Zucker nicht eindeutig sind, kann der OGT weiterhelfen. Ist die Diagnose Diabetes gesichert, benötigt man keinen OPGT mehr.  

Rationale Diagnostik - HbA1c: Der Langzeitblutzuckerwert  

Den roten Blutfarbstoff Hämoglobin kennen Sie. Der HbA1c-Wert misst, welcher Anteil des Hämoglobins in verzuckerter Form vorliegt. Je länger Blutzuckerwerte oberhalb der Norm bestehen und je höher diese Werte sind, umso mehr verzuckertes Hämoglobin entsteht. Das ist wie beim Hähnchen im Grill. Nun werden sich vermutlich fragen, was gegrillte Hähnchen mit dem Blutzucker zu tun haben. Mehr als Sie denken!  

Wenn Fleisch hoch erhitzt wird, dann verbinden sich Zuckermoleküle im Bindegewebe der Haut mit den Eiweißen. Es kommt also zu einer Karamellisierungsreaktion. Das bewirkt den angenehmen Geruch gebratenen Fleisches und den leckeren Geschmack einer kross gebratenen Kruste. Was wir beim Fleisch beobachten und mögen, das passiert chemisch genauso in unserem Körper – nur das das eben nicht so günstig ist.  

Der Blutzucker geht – wenn zuviel vorhanden ist – eine Verbindung mit Eiweißen ein. Diese karamellisieren sozusagen. Die moderne Medizin nennt solche Verbindungen AGEs, das bedeutet Advanced glykation endproducts – also fortgeschrittene verzuckerte Endprodukte. Diese Moleküle sind dann natürlich nicht mehr so funktionstüchtig wie die ursprünglichen Ausgangssubstanzen. HbA1c ist ein solches AGE.  

Ein hoher HbA1c zeigt uns also zwei Dinge an:  

  1. Der Blutzucker war in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt schlecht eingestellt. Das Therapiekonzept sollte überdacht werden.
  2. Der HbA1c ist ein Marker für AGEs. Wenn der rote Blutfarbstoff verzuckert, dann geschieht dies auch bei anderen Molekülen unseres Körpers, z.B. im Nervensystem mit der Gefahr einer diabetischen Polyneuropathie. Diabetische Spätkomplikationen treten umso mehr und umso rascher auf,  je höher der HbA1c ist. 

Normalwert: Bis 6,1 %, Werte über 7,5 % gelten als Hinweis auf eine absolut ungenügende Blutzuckereinstellung, Werte über 9 % sind katastrophal.

Messhäufigkeit: Alle drei Monate, bei sehr stabiler Einstellung ggf. auch seltener, z.B. jährlich.  

Rationale Diagnostik - Insulin und C-Peptid: Wie viel produziert die Bauchspeicheldrüse noch?  

Beim Diabetes Typ II ist nicht nur nicht zuwenig Insulin vorhanden, es ist meistens sogar zuviel vorhanden (Insulinresistenz). Wie viel noch oder ob zuviel vorhanden ist, dies können wir anhand der Insulinmessung feststellen. Nun sollte nicht jeder seinen Insulinspiegel untersuchen lassen (nicht nur, weil es eine relativ teure Untersuchung ist). Zwei Gruppen benötigen auf gar keinen Fall eine Messung: Typ I-Diabetiker – bei ihnen lässt sich praktisch kein Insulin mehr nachweisen (in der Messung würden wir ohnehin kein selbst produziertes, sondern das von außen gespritzte Insulin erfassen) – und Typ II-Diabetiker, die mit Ernährung und/oder Tabletten noch so halbwegs auskommen – sie haben auf jeden Fall normale oder zu hohe Spiegel.  

Eine Messung des Insulinspiegels ist dann sinnvoll, wenn der Diabetiker mit Tabletten nicht gut eingestellt ist und die Frage zu beantworten ist, ob der richtige Zeitpunkt für den Umstieg auf Insulinspritzen gekommen ist (Medikamente). Ist der Insulinspiegel an der unteren Normgrenze oder darunter, dann sollte eine Insulintherapie in Erwägung gezogen werden. Ist der Insulinspiegel aber noch normal oder gar zu hoch, dann würde mit der Insulinspritze die Insulinresistenz eher noch verstärkt. In dieser Phase darf kein Insulin gespritzt werden, vielmehr gilt es, die Insulinresistenz ursächlich anzugehen! Leider fangen die meisten Diabetiker in dieser Phase, in der sie ihren Zucker noch erfolgreich behandeln könnten, mit dem Spritzen an – natürlich fast immer, ohne dass der Arzt vorher den Insulinspiegel gemessen hat. Wenn Ihr Arzt Sie von Tabletten auf Insulin umstellen will, dann bestehen Sie auf eine vorherige Insulinmessung!

Kann man denn auch noch die Insulineigenproduktion messen, wenn bereits Insulin gespritzt wird? Ja, aber hier dürfen wir nicht das Insulin bestimmen, denn dann wissen wir ja nicht, welches gespritzt wurde und wie viel der Körper selbst produziert hat. Vielmehr müssen wir den C-Peptid-Wert messen. Was ist das C-Peptid? Der Körper wandelt eine Vorstufe des Insulins in das eigentlich wirksame Insulin um. Dabei schneidet ein Enzym einen Teil der Insulinvorstufe ab – nämlich das C-Peptid. Da gespritztes Insulin kein C-Peptid enthält, bei der Entstehung körpereigenen Insulins aber immer C-Peptid anfällt, ist der C-Peptid-Wert ein sehr genauer Marker für die körpereigene Insulinsynthese.  

Erstaunlicherweise haben viele Diabetiker, die Insulin spritzen, völlig normale, nicht selten sogar erhöhte C-Peptid-Werte. Trotz Zufuhr von außen produziert die Bauchspeicheldrüse genauso viel Insulin (oder noch mehr!) wie bei einem Stoffwechselgesunden – es wird aber nicht richtig verwertet. Diese Patienten dürften eigentlich gar kein Insulin spritzen, vielmehr müssten sie ihre Insulinresistenz vermindern. Ist das C-Peptid jedoch unterhalb des Normbereichs, dann ist die Bauchspeicheldrüse tatsächlich in die Erschöpfungsphase gekommen, eine Insulingabe ist jetzt wirklich unumgänglich.  

Leider wird diese für die Frage „Insulin – ja oder nein?“ entscheidende Messung nur äußerst selten durchgeführt. Ich rate keinem Diabetiker dazu, Insulin zu spritzen, bevor diese Frage nicht geklärt ist. Jedem Diabetiker, der bereits Insulin spritzt und ein hohes C-Peptid aufweist, kann ich die berechtigte Hoffnung machen, dass er vom Insulin herunter kommt – wenn er es wirklich will und bereit ist, daran mitzuarbeiten.  

Normalwerte: Insulin 5-25 mIU/l, C-Peptid 0,33-1,2 nmol/l.

Niedrigere Werte: Erschöpfung der Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse

Höhere Werte: Deutliche Insulinresistenz

Messhäufigkeit: Meist reicht es einmal aus, um die Frage „Insulin – ja oder nein?“ zu beantworten, ggf. nach einigen Jahren Wiederholung, wenn sich die Frage erneut stellt.  

Rationale Diagnostik - Zucker im Urin: Das Fass läuft über  

Zucker ist für den Körper ein wertvoller Energieträger, den er nur ungern verliert. Im Primärharn der Niere ist genau so viel Zucker wie im Blut vorhanden. Die herausragende Leistung der Nieren besteht darin, die 200 l (!) täglich produzierten Primärharnes auf die tatsächlich ausgeschiedenen 2 l „einzudampfen“ und dabei überflüssige und schädliche Stoffe auszuscheiden, wertvolle Stoffe wie Mineralien, Aminosäuren und eben auch Glukose aber wieder zurück zu gewinnen. Dies kann die Niere nur bis zu einem gewissen Maß. Diese Grenze, bis zu der Zucker aus dem Harn vollständig zurück gewonnen werden kann, bezeichnen wir als so genannte Nierenschwelle. Sie liegt meist bei etwa 160-180 mg/dl, kann bei einer diabetischen oder sonstigen Nierenschädigung aber auch deutlich darunter liegen.  

Das bedeutet für Sie: Wenn Sie eine Nierenschwelle von 180 mg/dl haben, erscheint überhaupt kein Zucker im Urin, wenn Sie in den letzten Stunden vor der Urinmessung den Blutzuckerwert von 180 mg/dl nicht überschritten haben. Bei einem Blutzucker von 190 mg/dl würden kleine Mengen im Harn erscheinen. Bei einem Blutzucker von über 300 mg/dl kann der Harnzucker leicht im Grammbereich liegen. Dies bedeutet nicht nur einen Energieverlust (das wäre für den Diabetiker, der ja meist sowieso abnehmen soll, ja gar nicht so schlecht), sondern es gehen mit dem Zucker auch mehr Wasser verloren (der Diabetiker trocknet aus, das Blut dickt ein, der Blutdruck steigt). Und es gehen auch vermehrt Mineralien verloren, die wir wiederum für eine gute Blutzuckereinstellung brauchen (z.B. Zink, Chrom, Magnesium ® Heilung durch Nahrungsergänzungen?). Sie kommen also in einen Teufelskreis aus schlechter Zuckereinstellung ® Zuckerverluste im Urin ® Mineralverluste ® noch schlechtere Zuckereinstellung. Ein Überschreiten der Nierenschwelle mit Zucker im Harn ist immer ein Zeichen einer schlechten Zuckereinstellung. Durchbrechen Sie den Teufelskreis!  

Patienten, die den Blutzucker mit einem Gerät selbst messen und gleichzeitig den Urinzucker mit Urinteststäbchen bestimmen, können selbst abschätzen, ab welchem Blutzuckerwert der Zucker im Urin erscheint. Wichtig ist, dass der Zucker im Urin zu verschiedenen Zeiten gemessen wird. Die Untersuchung des Morgenurins ist wichtig, um hohe Blutzuckerwerte in der Nacht, wo Sie den Blutzucker ja in der Regel nicht messen, erkennen zu können. Mit Messungen am Tage können Sie erkennen, ob es nach der Mahlzeit zu Blutzuckeranstiegen über die Nierenschwelle hinaus gekommen ist. Der große Vorteil der Urinzuckerbestimmung: Sie müssen sich nicht in den Finger stechen. Wenn die grobe Beurteilung der Frage „Blutzucker unter- oder oberhalb der Nierenschwelle?“ ausreichend erscheint, können damit Blutzuckerbestimmungen ersetzt werden (gelegentlich sollte aber auch einmal der Blutzucker bestimmt werden, beim Diabetiker, der Insulin spritzt, ist dies sogar zwingend).  

Normalwert: kein Zucker im Urin messbar, Spuren sind tolerabel, mehrere Gramm pro Liter sind indiskutabel.

Messhäufigkeit: Bei schlecht eingestellten Diabetikern ggf. für eine gewisse Zeit täglich, eventuell sogar mehrmals täglich, ansonsten einmal alle drei Monate, bei diätetisch stabil eingestelltem Diabetes ggf. noch seltener, mindestens aber einmal jährlich.  

Rationale Diagnostik - Aceton im Urin: Wenn Diabetiker sauer werden  

In einer Hungersituation, beim Fasten oder bei sehr hohen Blutzuckerwerten gewinnt der Stoffwechsel seine Energie vorrangig aus dem Fettstoffwechsel. Dabei entstehen so genannte Ketonkörper wie z.B. Aceton. Der Organismus „versauert“, es entsteht eine so genannte Ketoazidose. Der Diabetiker ist dann in Gefahr, ein diabetisches Koma zu entwickeln. Bei Nachweis von Aceton im Urin sollte sich der Diabetiker sofort mit einem Arzt in Verbindung setzen! Auch bei einem Infekt, selbst wenn der Diabetiker gar nichts isst, kann der Blutzucker ansteigen und sich eine Ketoazidose entwickeln. Aceton kann im Urin mit Messstreifen nachgewiesen werden. Diabetiker mit einer Ketoazidose riechen oft nach Nagellackentferner oder nach sauren Äpfeln.

Normalwert: Negativ

Messhäufigkeit: Bei hohen Blutzuckerwerten mit Verdacht auf Ketoazidose  

Achtung: Bei Behandlung mit Biguaniden (Medikamente) darf überhaupt keine Ketoacidose entstehen! Im Zweifelsfall (z.B. einem Infekt, besonders bei Magen-Darm-Infekt) messen Sie lieber einmal zuviel als einmal zuwenig das Aceton. Aceton zeigt eine Gefahr für jeden Diabetiker an, beim Patienten unter Biguaniden kann es lebensgefährlich sein!  

Rationale Diagnostik - Mikroalbuminurie: Die Warnung der Niere  

Über die Niere gehen immer auch Spuren von Eiweißen verloren. Ein Eiweiß, welches besonders gut nierengängig ist und sich somit für die Eiweißuntersuchung im Urin eignet, ist das Albumin. Wenn die Niere durch den Zucker bereits geschädigt ist oder wenn die Blutzuckereinstellung schlecht ist, dann erscheint mehr Albumin im Urin. Je mehr Eiweiß im Urin ausgeschieden wird, desto mehr ist die Nierenfunktion geschädigt. Auch wenn die Blutwerte für die Nieren (Kreatinin, Harnstoff) noch normal sind, kann die Mikroalbuminurie bereits eine frühe Schädigung anzeigen.  

Dann muss massiv gegengesteuert werden, um nicht in einigen Jahren in das Nierenversagen und an die Dialyse (künstliche Blutwäsche) zu kommen! Die Mikroalbuminurie ist, das haben Studien gezeigt, noch gut reversibel. Voraussetzung dafür ist allerdings eine gute Blutzuckereinstellung (erkennbar an einem beständig guten HbA1c-Wert), ein systolischer Blutdruck von weniger als 115 mmHg, möglichst niedrige Blutfettwerte sowie das Nichtrauchen. Bei Werten über 300 mg/d sprechen wir nicht mehr von einer Mikroalbumurie, sondern von einer Proteinurie (massive Eiweißverluste), die bis zu mehreren Gramm pro Tag betragen können. Hier ist die Niere schon deutlicher beeinträchtigt. Spätestens dann sollten (neben einer Intensivierung der Diabetestherapie) auch Medikamente zum Einsatz kommen, die eine nephroprotektive (nierenschützende) Wirkung haben (z.B. ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorantagonisten).  

Normalwert: kleiner 15 mg/l, bei Werten bis 200 mg/l (bei einem Gesamturin von 1,5 l) sprechen wir von einer Mikroalbuminurie, darüber von einer Proteinurie.

Messhäufigkeit: Mindestens einmal jährlich.  

Rationale Diagnostik - Fettwerte: Cholesterin und Triglyceride lassen die Adern verkalken  

Wie an anderer Stelle gezeigt, ist es nicht nur wichtig, auf den Zucker zu achten und diesen gut einzustellen, sondern auch andere Risikofaktoren zu beachten. Wenn schon ein Diabetes als Risikofaktor für Gefäßerkrankungen vorhanden ist, dann muss das Cholesterin umso schärfer eingestellt sein, damit die Risiken sich nicht potenzieren können. Wenn bereits Gefäßerkrankungen vorliegen (z.B. Verengungen der Herzkranz-, Gehirn- oder Beingefäße, Spätkomplikationen), dann sollten die Werte noch besser sein. Wichtig ist beim Cholesterin, dass nicht nur das Gesamtcholesterin betrachtet wird, sondern dass auch die Unterfraktionen LDL (schlecht) und HDL (gut) gemessen werden und in die Bewertung mit einfließen. Daraus können Sie dann den für das Gefäßrisiko wichtigen LDL/HDL-Quotienten berechnen. Beispiel: LDL 150, HDL 50, der Quotient liegt dann bei 150/50 = 3.  

Rationale Diagnostik - Tabelle: Fettwerte im Blut

Werte in mg/dl  Gesunde  Diabetiker Gefäßkranke
Gesamtcholesterin unter 200 unter 180 unter 160
LDL    unter 160  unter 130     unter 100
HDL  über 40   über 50      über 60
Triglyceride          unter 200  unter 175      unter 150
LDL/HDL      3-4    unter 3      unter 2,5

Cholesterin:

Umrechnungsfaktor von mg/dl in mmol/l: 0,026 (Beispiel: 200 mg/dl = 5,2 mmol/l)
Umrechnungsfaktor von mmol/l in mg/dl: 39 (Beispiel: 5 mmol/l = 195 mg/dl)  

Triglyceride

Umrechnungsfaktor von mg/dl in mmol/l: 0,011 (Beispiel: 200 mg/dl = 2,2 mmol/l)
Umrechnungsfaktor von mmol/l in mg/dl: 88 (Beispiel: 2 mmol/l = 176 mg/dl)  

Rationale Diagnostik - Harnsäure: Der Stoff, aus dem die Gicht ist  

Bei Diabetikern – besonders wenn sie übergewichtig sind – ist oft auch die Harnsäure erhöht. Neben erblichen Belastungen zeigt sie an, dass zuviel purinhaltige Lebensmittel verzehrt werden (meist zuviel Fleisch und Wurst, besonders purinhaltig sind Innereien), zuwenig Flüssigkeit zugeführt wird und/oder zuviel Alkohol getrunken wird.  

Normalwert: kleiner 7 mg/dl, bei Frauen kleiner 6 mg/dl

Messhäufigkeit: mindestens einmal jährlich, bei erhöhten Werten öfter, bis zur Normalisierung (ggf. unter Medikamenten), im Fasten nach etwa einer Woche.  

Rationale Diagnostik - Neue Risikofaktoren: Lp(a), Homocystein, Fibrinogen, hochsensitives CRP: Was bedeuten sie?  

Diabetiker sind stark gefährdet, eine Arteriosklerose zu entwickeln. Während der Arzt die klassischen Risikofaktoren routinemäßig bestimmt, wird die Testung von inzwischen schulmedizinisch anerkannten, aber noch nicht etablierten Risikofaktoren stiefmütterlich gehandhabt (Neue Risikofaktoren). Dringen Sie darauf, dass diese Werte wenigstens einmal bei Ihnen bestimmt werden (in der Regel führt der Arzt dies jedoch nicht als Kassenleistung durch).  

Rationale Diagnostik - Tabelle: Neue Risikofaktoren

Normalwerte:

Lp(a):   kleiner 0,3 g/l
Homocystein:    kleiner 10 μmol/l, deutliches Risiko ab 15 μmol/l
Fibrinogen:     kleiner 3 g/l, deutliches Risiko ab 4,5 g/l
Hochsensitives CRP:     kleiner 1,7 mg/l, deutliches Risiko ab 3 mg/l

Achtung: Lassen Sie Fibrinogen und hochsensitives CRP nicht während eines Infektes oder einer Entzündung bestimmen, da hierunter die Werte erhöht sein können. 

Rationale Diagnostik - Leberwerte: Wenn die Leber verfettet  

Der meist übergewichtige Diabetiker hat häufig auch eine Mastfettleber, selbst wenn er kaum Alkohol trinkt. Dabei gehen vermehrt Leberzellen kaputt, was sich in erhöhten Transaminasen niederschlägt. Das sind Enzyme, die eigentlich nur in den Zellen vorkommen und sich bei vermehrtem Zelluntergang auch vermehrt im Blut nachweisen lassen. Bei hohem Alkoholkonsum ist meist die GOT höher als die GPT, die Triglyceride und die Harnsäure sind oft erhöht. Bei Übergewicht als Ursache der Leberbelastung ist die GPT meist höher als die GOT. Die yGT ist ein sehr sensibler Marker, der bei Belastungen schneller ansteigt als die anderen Werte, bei einer Erholung der Leber aber auch schneller absinkt.  

Rationale Diagnostik - Tabelle: Leberwerte  

Normalwerte:

GOT: bis 38 IU/l, bei Frauen bis 32 IU/l
GPT: bis 41 IU/l, bei Frauen bis 31 IU/l
yGT: bis 64 IU/l, bei Frauen bis 36 IU/l

Messhäufigkeit: einmal jährlich.  

Achtung: Die Normalwerte differieren durch unterschiedliche Messmethoden teilweise erheblich von Labor zu Labor. Beachten Sie die Normwerte Ihres Labors!  

Rationale Diagnostik - Vitalstoffwerte: Sind Sie bereits im Mangel?  

Vitalstoffe, d.h. lebenswichtige Mineralien, Spurenelemente und Vitamine, haben für eine verbesserte Blutzuckereinstellung und für die Vermeidung von Spätschäden eine große Bedeutung (Nahrungsergänzungen). Soll man alle dort erwähnten Nährstoffe denn auch messen lassen? Die Mineralstoffe Kalium, Magnesium und Zink bestimme ich bei vielen Diabetikern, da hier oft Mangelzustände vorliegen, die dann ausgeglichen werden müssen. Ich lasse diese Werte allerdings nicht im Serum bestimmen, da das Serum nur das Transportmedium darstellt, welches die Situationen innerhalb der Zellen (und darauf kommt es ja an) nur unvollkommen widerspiegelt. Ich verwende daher die Vollblutmineralanalyse, die auch den Gehalt der Blutzellen mit erfasst und wesentlich genauere Aussagen über die Mineralstoffversorgung zulässt. Vollblutanalysen werden nur von wenigen Speziallabors in Deutschland durchgeführt (z.B. Labor Dr. Bayer, Postfach 100444, 70003 Stuttgart). Die häufig – auch von Apotheken – angebotenen Haarmineralanalysen halte ich persönlich für überflüssig, da sie große Fehlermöglichkeiten beinhalten und nicht validisiert sind, d.h. es wurde nicht geprüft, ob sie das messen, was sie vorgeben, nämlich den Rückschluss von Haarwert auf Gesamtkörperbestand. Das wurde bisher meines Wissens niemals getestet.  

B-Vitamine lasse ich auch häufig bestimmen, wobei es hier besonders auf Vitamin B1 und B6 ankommt. Die Versorgung sollte so angehoben werden, dass wir Werte im oberen Normbereich oder sogar darüber hinaus erzielen. Vitamin B12 und Folsäure bestimme ich eher selten. Es kann schon ein Mangel vorliegen, wenn die Blutwerte noch normal sind. Ein viel sensiblerer Marker ist hier das Homocystein (Neue Risikofaktoren). Wenn Homocystein erniedrigt ist, muss ich eh Folsäure und B12 (und B6) geben. Vitamin D lasse ich auch meist bestimmen, da es nicht nur für den Knochen, sondern auch für die Zuckereinstellung wichtig und sehr häufig im unteren Normbereich oder darunter angesiedelt ist.  

Antioxidative Vitamine (z.B. E, C, Beta-Carotin) bestimme ich hingegen fast nie. Diabetiker will ich mit Antioxidantien immer in Bereiche anheben, die weit oberhalb des Normbereichs der Labore liegen. Ob also ein Diabetiker bei den antioxidativen Vitaminen im unteren oder mittleren Normbereich liegt, interessiert mich gar nicht – ich empfehle ihm ohnehin Antioxidantien. Das Geld für diese Untersuchung können Sie also meist sparen!  

Achtung: Lassen Sie Vitalstoffanalysen nur von einem Arzt durchführen, der sich mit der Diagnostik und Therapie von Nährstoffen auch wirklich auskennt – sonst ist das Geld für die nicht ganz billigen Untersuchungen zum Fenster hinaus geworfen. Fragen Sie ihn, wie oft er diese Bestimmungen bei seinen Patienten schon durchgeführt hat. Macht er es nur ganz selten oder wirkt er bei der Frage unsicher – lassen Sie die Finger von der Bestimmung!  

Normalwerte: vom Labor abhängig

Messhäufigkeit: einmalig als Screening, bei Mangelzuständen drei Monate nach eingeleiteter Therapie zur Kontrolle (das Blut wird in drei Monaten einmal komplett ausgetauscht, so dass dann das Blut unter der neuen Versorgungssituation gemessen wird).  

Rationale Diagnostik - Belastungs-EKG: Wie fit sind Sie und Ihre Gefäße?  

Da Diabetiker ein erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkrankheit aufweisen, sollten sie regelmäßig ein Belastungs-EKG durchführen lassen. Dies dient der Aufdeckung von Sauerstoffmangelzuständen im Herz unter Belastung. Wichtig ist dabei, dass eine wirkliche Ausbelastung erfolgt. Viele Ärzte beenden die Belastung, wenn eine so genannten Normwerttabellen entnommene Leistung oder Herzfrequenz erreicht wurde. Das ist kein Belastungs-EKG, welches wirklich Sicherheit gibt! Ein gut trainierter Mensch kann vielleicht 50 W mehr treten und würde dabei eventuell einen Sauerstoffmangel zeigen, der weitere Untersuchungen erforderlich machen würde. Die Belastung darf also nur dann beendet werden, wenn „harte“ Abbruchkriterien vorliegen (z.B. hochgradige Herzrhythmusstörungen oder tatsächliche Hinweise auf Sauerstoffmangel) oder der Getestete eben tatsächlich nicht mehr kann. Nur ein solches Belastungs-EKG ist aussagefähig! Beispiel: Der Arzt belastet seinen Patienten nicht aus und sagt: „Prima, alles in Ordnung!“ Der Patient wiegt sich in Sicherheit. Geht beim Tennisspielen dann wirklich bis an die Leistungsgrenze und bekommt dabei seinen Herzinfarkt. Möchten Sie ein solches Belastungs-EKG haben und die Kasse dafür Geld verschwenden lassen?  

Tipp: Das Belastungs-EKG hat einen weiteren großen Nutzen: Sie können daraus Ihre Trainingsbelastung sehr viel genauer als mit groben Faustregeln bestimmen lassen. Wenn Sie die Hälfte bis Zweidrittel der ohne Beschwerden oder EKG-Auffälligen getretenen Belastung nehmen, haben Sie Ihre individuelle Trainingsleistung. Lassen Sie sich die dabei aufgetretenen Herzfrequenzen angeben, dann wissen Sie, in welchem Bereich Sie ein optimales Ausdauertraining durchführen sollten. 

Beispiel: Sie haben bei der Belastung 150 W ohne Herzschmerzen oder objektive Hinweise auf einen Sauerstoffmangel geleistet. Ihre Trainingsleistung liegt also zwischen 75 und 100 W. Wenn Sie bei 75 W einen Puls von 110 und bei 100 W einen Puls von 130 pro Minute hatten, dann liegt ihre optimale Trainingsherzfrequenz bei 110-130 Schlägen pro Minute.  

Normalwerte: Leistung, siehe Tabellen bei Ärzten, es dürfen keine Herzschmerzen, hochgradige Rhythmusstörungen, objektive Hinweise auf Sauerstoffmangel in der EKG-Kurve oder weitere krankhafte Auffälligkeiten auftreten.

Messhäufigkeit: Unter 40 Jahren alle 2 Jahre, über 40 Jahren jährlich.  

Weitere kardiologische Untersuchungen: Langzeit-Blutdruckmessung, Echokardiographie, Langzeit-EKG  

Eine sehr gute Blutdruckeinstellung ist für den Diabetiker von entscheidender Bedeutung. Die genaueste Messung ist die Langzeit-Blutdruckmessung, bei der das Gerät automatisch über 24 Stunden (nachts seltener als tagsüber) den Blutdruck misst und aufzeichnet. Hieraus kann der Arzt Durchschnittswerte ablesen, mit dem Patienten besprechen, zu welchen Tageszeiten oder bei welchen körperlichen oder seelischen Belastungen der Blutdruck besonders gut oder nicht so gut ist. Auch die Wirkung der Blutdruckmedikamente lässt sich aus der Aufzeichnung ableiten (Bluthochdruck).  

Bei der Echokardiographie handelt es sich um eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Der Arzt kann damit u.a. die Pumpleistung des Herzens oder auch die Dicke der Herzwände bestimmen. Besteht ein Bluthochdruck über längere Zeit, so können die Herzwände dicker werden (Linksherzhypertrophie), was nicht als günstig angesehen wird. Der Blutdruck muss dann noch intensiver behandelt werden, damit die Herzwände sich wieder normalisieren können.

Mit dem Langzeit-EKG kann man besonders gut Herzrhythmusstörungen beurteilen. Bei subjektiven Störungen (Herzstolpern, Aussetzer, unregelmäßiges Herzschlagen oder Herzrasen) kann diese Methode aufdecken, welche Herzrhythmusstörung zugrunde liegt.  

Weitere invasive Methoden, wie z.B. der Herzkatheter, kommen dann zum Einsatz, wenn sich aus den Standarduntersuchungen noch Fragen ergeben, die nur mir der weiterführenden Diagnostik zu beantworten sind. Beispielsweise wenn das Belastungs-EKG auffällig war und die Frage nach bereits bestehenden Verengungen der Herzkranzgefäße beantwortet werden soll.  

Messhäufigkeiten:

Langzeit-Blutdruckmessung: Bei erhöhtem Blutdruck jährlich, bei unzureichend eingestelltem Blutdruck nach jeder Therapieänderung zur Therapiekontrolle

Echokardiographie: Bei erhöhtem Blutdruck oder bei Herzschwäche jährlich oder 3-6 Monate nach einer Therapieänderung

Langzeit-EKG: Nur zur Aufdeckung vermuteter Herzrhythmusstörungen und zur Therapiekontrolle.  

Rationale Diagnostik - Neurologische Untersuchungen: Sind die Nerven noch gesund?  

Eine schlechte Blutzuckereinstellung mit hohen Blutzuckerwerten führen auf Dauer zu einer Nervenschädigung (Spätkomplikationen). Um diese aufzudecken oder den Verlauf zu beurteilen, sollte regelmäßig eine neurologische Untersuchung stattfinden. Dabei untersucht der Neurologe, ob bereits eine diabetische Neuropathie, also eine Nervenschädigung eingetreten ist. Neben einer ausführlichen Befragung nach möglichen Symptomen bedient er sich bestimmter neurologischer Tests, z.B. auch mit der Stimmgabel zur Beurteilung bestimmter Nervenfunktionen.

Messhäufigkeit: Jährlich.  

Rationale Diagnostik - Augenärztliche Untersuchung: Schau mir in die Augen, Kleines!  

Diabetes schädigt nicht nur die Nieren und Nerven, sondern auch die Augen (Spätkomplikationen). Daher sollte der Augenarzt regelmäßig ein Auge auf das Auge werfen. Dabei wird der Visus (die „Sehkraft“) und der Augenhintergrund untersucht. Der Augenarzt stellt fest, wie weit eine diabetische Retinopathie bereits eingetreten oder fortgeschritten ist. Er muss u.a. beurteilen, ob vielleicht eine Laserbehandlung in Frage kommt.

Messhäufigkeit: Jährlich, bei bereits eingetretenen Veränderungen auch eher.  

Rationale Diagnostik - Was Sie selbst messen können: Gewicht  

Die Bedeutung des Übergewichtes beim Diabetes ist gar nicht zu unterschätzen (Insulinresistenz). Zu einer guten Einstellung des Gewichtes gehört auch die Messung. Aber wie häufig? Ich empfehle, das Gewicht nicht täglich zu messen. Die Schwankungen sind einfach zu groß und man macht sich nur verrückt. Alle drei Monate sollten Sie aber auch nicht messen, da in dieser Zeit schon viel passiert sein kann.  

Eine praktikable Empfehlung lautet: Messen Sie einmal wöchentlich Ihr Gewicht! Am besten in derselben Kleidung, am selben Wochentag, zur selben Tageszeit, z.B. Sonntagmorgen im Schlafanzug vor dem Frühstück. Dann können Sie genau beurteilen, wie der Verlauf in der letzten Woche war: Ist das Gewicht gleich geblieben, haben Sie ein paar hundert Gramm abgenommen, wie Sie es vielleicht vorhatten, oder ist doch wieder ein Kilo draufgekommen, weil Sie beim Geburtstag von Tante Erna dem Buffet und den Getränken nicht widerstehen konnten?  

Tipp: Notieren Sie das Gewicht auf einen Zettel oder in ein Heft. Am besten fertigen Sie mit Kästchen- oder Millimeterpapier eine Kurve an, in der Sie das Gewicht einzeichnen können. Wenn Sie eine Gerade noch unten mit einem Gefälle von z.B. 1 kg pro Monat einzeichnen, können Sie genau erkennen, ob Sie im Plan sind. Wenn Sie die Kurve an die Kühlschranktür hängen, hält Sie dies vielleicht sogar von nächtlichen Eskapaden ab…  

Normalwert: BMI 20-25

Messhäufigkeit: Wöchentlich.  

Rationale Diagnostik - Was Sie selbst untersuchen können: Schaut her eure Füße  

Diabetiker sollten täglich ihre Füße inspizieren. Diabetiker leiden häufig unter Wundheilungsstoerungen. Kleine Verletzungen können schlechter abheilen, da oft ein Zinkmangel vorliegt und die Durchblutung nicht selten eingeschränkt ist. Die Verletzungen entzünden sich auch häufiger wegen des schlechten Immunsystems. Dazu kommt noch, dass viele Diabetiker aufgrund einer diabetischen Polyneuropathie die Verletzung gar nicht bemerken. Eine gute Inspektion und eine gute Pflege der Füße sind daher für jeden Diabetiker anzuraten. Wenn man nicht mehr sehr beweglich ist, sollten sich Angehörige oder eine professionelle Fußpflege darum kümmern. Bedenken Sie bitte: Diabetiker haben ein 22fach erhöhtes Risiko für eine Fußamputation!

Normalwert: keine Verletzungen, glatte Haut ohne Schrunden

Messhäufigkeit: am besten täglich nach dem Duschen oder Waschen.  

Rationale Diagnostik - Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!  

Wie Sie sehen, gibt es eine ganze Reihe von diagnostischen Verfahren, die dem Diabetiker weiterhelfen. Wenn Sie Ihren Zucker gut eingestellt haben und Spätschäden vermeiden wollen, dann müssen Sie Mitverantwortung übernehmen. Ihr Arzt wird eine Reihe dieser Untersuchungen bei Ihnen automatisch durchführen. Manche Untersuchung wird er aber nicht veranlassen,  

  • weil er sein Praxisbudget schonen will (er möchte keinen Regress haben)

  • er vielleicht nicht daran denkt (die Überlastung der Ärzte nimmt zu)

  • oder er die gewünschte Untersuchung vielleicht gar nicht kennt (z.B. Homocystein).

Vieles werden Sie selbst durchführen können (z.B. Blut- oder Urinzuckermessungen, Gewichtskontrolle). Verlassen Sie sich auch nicht nur auf Spezialwerte, sondern besinnen Sie sich darauf, dass die ganz einfachen Messwerte oft die wichtigsten sind. Wenn ein Wert nicht so ist, wie er sein soll, dann überlegen Sie die Konsequenzen. Beim Gewicht müssen Sie dann selbst tätig werden. Bei der Erklärung der Bedeutung und der Behandlung einer Mikroalbuminurie muss Ihnen der Arzt weiterhelfen. Aber ziehen Sie die Konsequenzen aus den Untersuchungen. Die beste und teuerste Untersuchung taugt nichts, wenn sie keine Konsequenzen hat. Wenn eine Therapieänderung eingeleitet wird, dann muss der krankhafte Wert auch kontrolliert werden, um zu erkennen, ob die Maßnahme qualitativ und quantitativ ausreichend war oder ob etwas anderes oder etwas mehr getan werden muss.

Lassen Sie sich von mir eine Prognose erstellen, wenn Sie wissen möchten, ob für Sie das Risiko besteht, dass Sie in den nächsten 10 Jahren an Diabetes erkranken könnten und füllen Sie den Fragebogen vollständig aus - dazu klicken Sie einfach hier:
http://www.habichtswaldklinik.de/Diabetes_Risiko-Test.html
     

Weitere wichtige Informationen zum Thema Diabetes finden Sie in meinem Buch:
Typ-2-Diabetes. Heilung ist möglich.

Wie Sie mit naturheilkundlichen Verfahren Ihren Blutzucker senken, Medikamente absetzen und einfach besser leben!. In der klinischen Praxis erprobt von Volker Schmiedel ISBN: 3-8304-2113-3 Erschienen bei: Karl Haug

Typ-2-Diabetes. Heilung ist möglich. 

Ø    Vererbung: Welche Rolle spielen die Gene?

Ø    Klassische Risikofaktoren: Gefahr für die Gefäße

Ø    Alternativen: Welche Möglichkeiten gibt es noch zur Blutzuckersenkung? 

Ø    Ernährung: Wie sollte eine vernünftige Diabeteskost aussehen?

Ø    Gewichtsreduktion: 10 Goldene Regeln für erfolgreiches Abnehmen

Ø    Bewegung: Abnehmen im Schlaf

Ø    Die Zukunft: Wundermittel für den Diabetiker?

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte - von Abnehmen bis Zöliakie -  finden Sie hier.

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.

Alle oben erwähnten Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.

Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
http://www.habichtswaldklinik.de/Die_Abteilung_Innere_Medizin.html

Informationen über ambulante Diagnostik und Therapie:
http://www.habichtswaldklinik.de/Naturheilk_Ambulanz.html
Hier finden Sie weitere Gesundheitstipps:
http://www.gesundheitstipps.wicker-kliniken.de/

Die aktuellen und archivierten Naturheilkundlichen Newsletter finden Sie hier:
http://www.habichtswaldklinik.de/Naturlheilkundlicher_Newsletter.html

Sie möchten wieder fit für den Alltag werden? Profitieren Sie von unserem speziellen Gesundheitsangebot für Selbstzahler, Privatversicherte und Beihilfeberechtigte. Oder nutzen sie unsere speziellen Angebote bei Bauchbeschwerden, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder einer koronaren Herzkrankheit.
Zu allen Angeboten der Inneren Abteilung für Selbstzahler ohne Kostenübernahme eines offiziellen Kostenträgers für einen stationären Aufenthalt (z. B. Beihilfe und/oder PKV oder andere Kostenträger) bieten wir zusätzlich äußerst attraktive Rabatte.
                                                                                                         Wir behandeln keine Krankheiten
                                                                                                                       wir behandeln Menschen

Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei",
dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Textübersicht unnötiges Papier.

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie Ihre Fragen -
klicken Sie uns hier an...

Aktualisiert: August 2010

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

Die Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001zertifiziert.

Unsere Klinik ist von allen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nach § 111 als Rehabilitationsklinik anerkannt. Wir sind außerdem von allen privaten Krankenkassen als gemischte Anstalt anerkannt. Die Kostenübernahme muss aber zuvor bei dem jeweiligen Kostenträger beantragt werden. Bei Rückfragen bezügl. der Kostenübernahme können Sie sich gerne an unseren Verwaltungsleiter, Herrn Schenk, wenden (Servicetel.: 0800 / 8 90 11 00, Tel.: 0561-3108-621, E-Mail)

Weitere Fragen?
Schicken Sie uns eine Email

Telefon +49 (0) 56 1- 31 08  - 102 oder - 622
Telefax 31 08 - 104

Habichtswaldklinik

· Impressum· Anfahrt

Wigandstraße 1 · 34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe (Germany)
Telefon +49 (0) 56 1-3108-0 · Telefax 31 08 - 128

Servicetelefon 0800 / 8 90 11 00 · Info-Fax 0800 / 7 32 73 80

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.