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Spätkomplikationen bei Diabetes ©

 Was dem Diabetiker droht  

 

 Übersicht:

Die kurzfristige Gefahr durch den Diabetes ist einerseits die massive Hyperglykämie, die man aber schnell in den Griff bekommt und bei halbwegs guter Diabeteseinstellung kaum vorkommt. Andererseits kann es zu Hypoglykämien kommen, die aber meist Folge der Therapie sind (Symptome).  

Gefürchtet ist der Diabetes hauptsächlich wegen seiner Spätkomplikationen. Diese treten in der Regel erst Jahre, manchmal sogar erst Jahrzehnte nach Diagnosestellung auf. Dieser Zeitraum ist so lang, dass die Menschen das zugrunde liegende Ursache-Wirkungs-Prinzip nicht erkennen können. Wenn wir zu dünn angezogen sind und am nächsten Tag eine Halsentzündung haben, dann sehen wir einen Zusammenhang und passen das nächste Mal besser auf. Wenn wir uns jahrzehntelang fehl ernähren und bekommen dann einen Herzinfarkt, können wir den Zusammenhang nicht erkennen und schon gar nichts mehr daraus lernen. 

Wir können also keine eigenen Erfahrungen machen, sondern müssen uns auf die eher abstrakten Erkenntnisse der Wissenschaftler verlassen. Und diese haben auch keine Ursachen beispielsweise für den Herzinfarkt erkannt, sondern „nur“ so genannte Risikofaktoren. Das heißt beispielsweise, dass das Rauchen nicht als Ursache für den Herzinfarkt gilt. Die Zigaretten erhöhen lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Herzinfarkt eintritt – es gibt aber Raucher, die nie einen Herzinfarkt bekommen, sowie Nichtraucher, die trotzdem einen Herzinfarkt bekommen. Der Mensch hat im Laufe der Evolution nur gelernt, mit einfachen Ursache-Wirkungs-Prinzipien umzugehen, nicht jedoch mit komplexen Risikofaktorenmodellen, die sich zudem erst nach langer Zeit auswirken. Deswegen ist es dem Diabetiker, der sich jahrelang fehl ernährt und unzureichend bewegt hat, unverständlich, dass er ausgerechnet jetzt, wo es ihm doch noch gut geht, er sein ganzes Leben ändern soll, damit er nicht vielleicht in 10 Jahren eine diabetische Polyneuropathie oder in 20 Jahren einen Schlaganfall bekommt. Die Erkenntnis, dass Risiken vorhanden sind und er etwas tun muss, kommt vom Verstand (Kopf). Unsere Lebensweise wird aber mehr vom Gefühl (Bauch) gesteuert. Das macht die Änderung der Lebensweise zur Vermeidung von Spätschäden so schwierig. Doch kommen wir zu den einzelnen Spätkomplikationen.  

„Das Rationale am Menschen sind die Einsichten, die er hat. Das Irrationale an ihm ist, dass er nicht danach handelt.“ (Friedrich Dürrenmatt)  

Spätkomplikationen - Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere Verschlusskrankheit  

Diabetes mellitus ist einer der größten Risikofaktoren für Arteriosklerose. Der „normale“, mit dem Alter zunehmende Prozess der Gefäßverkalkung läuft beim Diabetiker deutlich schneller ab. Davon sind im Wesentlichen alle Arterien des Körpers betroffen. Liegen neben dem Diabetes auch noch Fettstoffwechselstörungen vor, dann ist häufig das Herz betroffen. Verengen sich die Gefäße am Herzen, so kommt es zu einer KHK (koronare Herzkrankheit). Dies führt oft zu Engegefühl in der Brust bei Belastung, der AP (Angina pectoris). Normalerweise ist das ein gutes Warnsignal, welches für weitere Untersuchungen (Belastungs-EKG, evtl. sogar Herzkatheter) Anlass geben sollte. Normalerweise. Beim Diabetiker sind aber oft auch die Nerven in ihrer Funktion beeinträchtigt, so dass Diabetiker den Schmerz durch den Sauerstoffmangel im Herzen oft gar nicht spüren können. Das erste Symptom der koronaren Herzkrankheit ist beim Diabetiker daher oft der Herzinfarkt.  

Ebenso wie die Herzkranzgefäße betroffen sind, können sich auch die Hirngefäße verengen. Liegt noch ein Bluthochdruck vor, was bei Diabetikern nicht selten der Fall ist, so ist die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall nochmals potenziert. Warnsignale gibt es nur selten, z.B. kommt es manchmal vor einem großen Schlaganfall zu einem „Schläglein“. Dabei handelt es sich um eine TIA, eine transitorische ischämische Attacke, also einen vorübergehender Anfall von Sauerstoffmangel im Gehirn. Die Symptome sind z.B. Sprachstörungen, herabhängender Mundwinkel auf einer Seite oder eine Lähmung eines Armes oder Beines. All dies hält aber nur maximal 24 Stunden an und verschwindet dann komplett. Die meisten von einer solchen TIA Betroffenen sind dann froh, dass es vorbei ist und freuen sich wieder ihres Lebens (und ihrer krankmachenden Lebensweise). Das war ein Schuss vor den Bug! Jetzt müssen Sie das Ruder herum reißen. Der nächste Schuss könnte nämlich ein Volltreffer werden. Manche denken ja, na und, krieg ich halt einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, dann bin ich halt tot. Tatsächlich ist die Mortalität durch einen Schlaganfall trotz aller intensivmedizinischen Bemühungen immer noch sehr hoch. Viele überleben aber und sind dann nicht selten ein Pflegefall. Das war dann doch nicht so gewollt. Schlaganfälle sind aber vermeidbar.  

Die arterielle Verschlusskrankheit der Beine wird im Volksmund gern als „Raucherbein“ bezeichnet. Das ist auch richtig so, denn das Rauchen ist hier der Risikofaktor Nr. 1. Dicht gefolgt vom Diabetes. Und wenn Sie rauchen und Diabetiker sind, dann können Sie sich eigentlich schon mal zur Gefäßoperation anmelden. Das ist keineswegs lustig. Jährlich werden 28.000 Diabetikerbeine amputiert. Das müsste alles nicht sein. Neben einer Vermeidung der anderen Risikofaktoren (Neue Risikofaktoren) kommt es auch hier auf eine gute Einstellung des Diabetes an.  

Der Hauptrisikofaktor für die großen Gefäße (Makroangiopathie) ist aber weniger der schlecht eingestellte Blutzucker als vielmehr das Zuviel an Insulin, die Hyperinsulinämie durch die Insulinresistenz. Wer also mit Medikamenten und Insulin von außen seinen Zucker wunderbar streng eingestellt hat und dabei vom Arzt mit reichlich Lob bedacht wird, sollte sich nicht zuviel freuen. Ist diese gute Zuckereinstellung durch ein hohes Insulin im Blut erkauft worden, so ist der Preis für die Vermeidung der nachfolgend dargestellten Spätkomplikationen eine beschleunigte Arteriosklerose durch das Insulin. Leider erfahren die Diabetiker diese nicht ganze unwesentliche Information in den üblichen Diabetiker-Schulungen meist nicht. Sie wissen jetzt aber, worauf es ankommt.

Ganz vereinfacht gesagt, gilt:
Hohes Insulin führt zu den arteriosklerotischen Erkrankungen.
Hoher Blutzucker führt zu Neuropathie, Nephropathie, Retinopathie.  

Spätkomplikationen - Diabetische Retinopathie  

Diabetes schädigt die kleinen Gefäße des Körpers (Mikroangiopathie). Auch und besonders die feinen Gefäße der Netzhaut des Auges (Retina, daher der Name Retinopathie). Es können sich kleine Aussackungen der Gefäße bilden (Aneurysmen), es können sich auch neue Gefäße bilden (proliferative Retinopathie) und es kann sogar zu Einblutungen in den Glaskörper des Auges kommen. All das kann die Sehkraft verschlechtern, ja sogar zur Erblindung führen. Seit Einführung der gesetzlichen Vorschrift zum Anlegen des Sicherheitsgurtes ist Diabetes die häufigste Ursache für Erblindung in Deutschland. Vorher waren es die Verkehrsunfälle. Ist es nicht merkwürdig, dass Menschen manchmal unter Strafandrohung zu ihrem Glück gezwungen werden müssen? Strafen für eine schlechte Diabeteseinstellung gibt es Gott sei dank noch nicht (außer der Strafe der vermehrten Komplikationen), aber sollten wir nicht freiwillig alles dafür tun, um vermeidbare Schäden anzuwenden?  

Spätkomplikationen - Diabetische Nephropathie: Wenn die Niere schlapp macht  

Diabetes schädigt die Niere. Nach einigen Jahren kann es zu einem vermehrten Verlust von Eiweiß über die Niere kommen (Rationale Labordiagnostik, Mikroalbuminurie). Diabetes ist heute in Deutschland der häufigste Grund für chronisches Nierenversagen, Dialyse (Blutwäsche) und Nierentransplantationen. All dies ist vermeidbar, wenn der Diabetes gut eingestellt ist, Sie die Nierenwerte und die Mikroalbuminurie regelmäßig testen lassen und bei auftretenden Schäden die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Hier können bestimmte Medikamente, die Ihnen dann der Arzt verschreibt, den Prozess der Schädigung aufhalten oder verlangsamen (z.B. ACE-Hemmer).  

Spätkomplikationen - Diabetische Neuropathie: Diabetiker sind gefühllos  

Das ist nicht abfällig, sondern ganz wörtlich so gemeint. Bei Diabetikern sind nämlich auch oft die Nerven beeinträchtigt. Dies liegt an der verschlechterten Durchblutung, der vermehrten Belastung durch freie Radikale im diabetischen Stoffwechsel und an der vermehrten Bildung von AGEs (Rationale Labordiagnostik, HbA1c) bei schlechter Blutzuckereinstellung. Die Beschwerden (siehe Tabelle) sind umso stärker je länger und schlechter eingestellt der Diabetes besteht. Sie sind manchmal sehr quälend und therapeutisch nur schlecht zu beeinflussen.

Symptome der diabetischen Neuropathie  

  • Unangenehmes Kribbeln der Extremitäten (wie Ameisenlaufen)

  • Brennen der Fußsohlen (burning feet)

  • Gefühl des Eingeschlafenseins der Arme/Beine

  • Überempfindlichkeit bei Berührung

  • Gefühlsverlust

  • Lähmungen

  • Impotenz/Erektionsstörungen

  • Blasenentleerungsstörungen

  • Magen-Darm-Entleerungsstörungen

  • Schielen

  • Stumme Ischämie (siehe KHK) 

Neben einer guten Blutzuckereinstellung werden einer guten Ausstattung mit antioxidativen Nährstoffen sowie B-Vitaminen (Nahrungsergänzungen) gute Schutzwirkungen zugesprochen. Bei eingetretener Polyneuropathie hilft α-Liponsäure manchmal weiter (z.B. Thiogamma®, Thioctacid®. Diese sollte mindestens 14 Tage lang als Infusion verabreicht werden. Bei gutem Ansprechen ist die weitere orale Gabe (als Tabletten) möglich. Die übrigen Beschwerden müssen symptomatisch behandelt werden. So können Diabetiker Ihre Erektionsstörungen ganz gut mit Medikamenten wie Viagra® (falls keine Gegenanzeigen vorliegen) in den Griff bekommen. Die Blasenentleerung kann mit bestimmten in der Krankengymnastik zu erlernenden Handgriffen deutlich und so den nicht seltenen Harnwegsinfekten vorgebeugt werden.  

Spätkomplikationen - Gallensteine: Sind Sie steinreich?  

Gallensteine haben weniger etwas mit dem Diabetes als vielmehr mit dem Übergewicht zu tun. Übergewichtige haben überdurchschnittlich häufig Gallensteine. Müssen Gallensteine dann aber operativ entfernt werden, so haben Diabetiker wesentlich häufiger Komplikationen. Eine (langsame) Gewichtsreduktion mindert auch das Risiko, das Gallensteine entstehen können. Bei Crash-Diäten mit hoher Gewichtsreduktion in kurzer Zeit ist das Risiko der Gallensteinbildung hingegen noch erhöht.  

Spätkomplikationen - Fettleber: Nicht nur Alkohol lässt die Leber anschwellen  

Übergewicht, hohe Triglyceride, Alkohol und Diabetes erhöhen das Risiko für das Entstehen einer Fettleber. Sie ist in der Ultraschalluntersuchung an einer Vergrößerung sowie an einer veränderten Struktur zu erkennen. Im Labor finden wir häufig die Transaminasen erhöhte (Rationale Labordiagnostik, Leberwerte).  

Die Leber ist ein sehr dankbares Organ. Man muss sie schon lange Zeit sehr stark schädigen, bevor sie reagiert. Wenn Sie die Faktoren beseitigen, die sie stören, erholt sie sich auch relativ rasch wieder. Wenn Sie also Übergewicht abbauen, die Triglyceride normalisieren, den Blutzucker gut einstellen und den Alkohol weglassen, dann kann sich eine Fettleber wieder völlig regenerieren. Lediglich eine bereits eingetretene Leberzirrhose (narbiger Umbauprozess mit Schrumpfung) ist nicht mehr umkehrbar. Noch ein Wort zum Alkohol: Diabetiker können eine Fettleber haben, obwohl sie überhaupt keinen Alkohol trinken. Wenn die Fettleber vorhanden ist, muss man natürlich mit dem Alkohol besonders vorsichtig sein (z.B. höchstens ein Glas Wein pro Woche oder für ein paar Monate gar keinen). Der Diabetiker kann durch diese einfache Maßnahme die Erholung der Leber enorm beschleunigen.  

Spätkomplikationen - Infektionen: Viren und Bakterien bevorzugen Diabetiker  

Das Immunsystem des Diabetikers ist meist geschwächt, Infektionen nicht selten. Bei Diabetikern treten Infekte der Atemwege, Pilzinfektionen (Darm, Füße) und Abszesse der Haut viel häufiger als bei Stoffwechselgesunden auf. Auch hier hilft eine gute Blutzuckereinstellung weiter. Darüber hinaus sollten Sie als Infektionsschutz eine gute Versorgung mit Vitamin C und Zink sicherstellen (Nahrungsergänzungen).  

Spätkomplikationen - Wundheilungsstoerungen: Warum die Haut bei Diabetes schlechter heilt  

Kommt es zu Verletzungen (die der Diabetiker wegen der Polyneuropathie nicht immer rechtzeitig bemerkt), so heilt die Haut deutlich schlechter ab. Dies liegt an der meist schlechten Durchblutung der kleinen Hautgefäße (Mikroangiopathie), aber auch an Nährstoffdefiziten. Die Zufuhr von Zink und Vitamin C ist bei Wundheilungsstoerungen besonders wichtig (Nahrungsergänzungen).  

Spätkomplikationen - Necrobiosis lipoides: Weitere unschöne Veränderungen der Haut  

Manchmal kommt es zu einer fleischfarbenen Veränderung der Haut, die später dünner wird und wie durchscheinend wirkt (Necrobiosis lipoides). Meist treten diese Veränderungen an den Schienbeinen auf. Diabetiker sollten diese Hautstellen besonders gut vor Verletzungen schützen, da Wunden hier nur sehr schlecht abheilen (siehe oberen Absatz über Wundheilungsstoerungen).

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Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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